Um es gleich vorab zu sagen: Niemand verlässt die Heimat, seine Eltern oder Geschwister, sein Haus, sein Grundstück, oder seine Freunde freiwillig. Menschen aus Syrien haben ihre Heimat aufgrund eines Krieges verlassen, an dem sie keine Schuld tragen. Von Osten kamen die IS-Terroristen, im Westen des Landes bekriegen sich die Truppen von Baschar al-Assad und Kämpfer verschiedener Oppositionsgruppen. Es tobt ein unbarmherziger Bürgerkrieg mit Giftgas- oder Bombenangriffen. 

Manche Deutsche meinen, die syrischen Männer, die aus ihrem Land geflohen sind, sollten doch bitteschön zu den Waffen greifen und ihr Land verteidigen. Bloß: wie kann man mit Waffen gegen Flugzeuge, Giftgas oder Panzer kämpfen? Einer der Flüchtlinge in Riegelsberg stellte die Frage: „Was hätte ich tun sollen? Egal, ob ich von der IS oder von al Assads Truppen rekrutiert worden wäre: ich hätte schießen und andere Menschen töten müssen oder wäre selber erschossen worden. Beides wollte ich nicht. Also blieb mir nur die Flucht.“ Das ist auch eine Erklärung für die vielen jungen Männer, die einen Asylantrag stellen. 

Nach Menschenrechtsorganisationen forderte dieser erbitterte Bürgerkrieg im April 2015 bereits mehr als 220.000 Menschenleben. Die meisten syrischen Männer brachten ihre Familien in Jordanien oder im Libanon in Sicherheit, um sich allein auf den gefährlichen Weg nach Europa zu machen in der Hoffnung, ihre Familien nachholen zu können. 

Diese Menschen können sich nämlich nicht einfach ins Flugzeug setzen, um aus dem Kriegsgebiet zu fliehen, da sie keine Einreisepapiere für ein europäisches Land bekommen würden.  Neben dem Landweg, meist über den Balkan, bleibt dann nur der lebensgefährlichere Weg übers Meer. Für letzteren bietet sich vor allem Libyen an. Die Mittelmeerküste zieht sich über Hunderte Kilometer hin. Es gibt keine funktionierende Regierung, keine staatlichen Strukturen - nichts. Dort herrschen verschiedene Milizen, die sich durch Schlepperdienste ihr Geld verdienen. 
Gleichwohl werden durch kriminelle Schlepper auch bewusst Gerüchte in Umlauf gebracht, um „Nachschub“ anzulocken. Die deutschen Botschaften in einigen Ländern versuchen über Medien und soziale Netzwerke, diesen Gerüchten entgegenzuwirken.